Die Herkunft des Pflegehundes

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JanaTeam
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Die Herkunft des Pflegehundes

Beitragvon JanaTeam » Fr 6. Mai 2011, 22:45

Zuchthunde:

Alles, was sie von nun an kennenlernen werden, ist neu und fremd für sie.
Zuchthunde hatten nie einen Namen und haben oftmals keinerlei Bindung zum Menschen.
Von nun an lernen sie Stück für Stück dem Menschen zu vertrauen.
In der Regel geht es auf den Vermehrerfarmen sehr grob zu, so dass er wahrscheinlich den Menschen nur als Bedrohung kennengelernt hat.
Die Hunde sind nicht leinenführig und kennen oft nur Kettenhalsbänder, die an ihrem Hals würgen.
Alles ist neu, auch in einem Haus zu leben.
Größtenteils sind die Hunde nicht stubenrein, da sie zuvor dort ihre Geschäfte erledigen mussten, wo sie auch gelebt haben.
Meistens jedoch lernen sie es sehr schnell, indem man sie regelmäßig in den Garten führt und ihnen dort die Möglichkeit gibt sich zu lösen.
Straßenverkehr und für uns alltägliche Geräusche oder Gesten sind für den Hund absolut neu.

Leid tun einem die Hunde in erster Linie. Doch das zum Beispiel ist schon nicht so ganz der richtige Weg.
Denn ab dem Moment, dem Moment der Freiheit muss der Hund einem nicht mehr leid tun. Er hat es in diesem Augenblick geschafft. Geschafft ein neues Leben beginnen zu können; zu lernen, zu erleben und artgerechtes Leben zu erfahren. Selbst todkranke Hunde haben es geschafft in diesem Augenblick in Würde aufgenommen zu werden und ja, vielleicht unter Umständen auch in Würde begleitet zu werden den letzten Schritt machen zu müssen.

Wir hätten alle kein Herz und schon gar nicht den richtigen Platz im Tierschutz wenn unser Mitgefühl nicht eine große Rolle spielen würde für die Hunde. Das ist nunmal Fakt. Und das ist auch ganz sicher richtig so. Dennoch ist der erste Schritt die Pflegefamilie und deren Aufgabe ist es, den Weg zu ebnen für die Zukunft. Mit Mitleid, mit Tränen, mit Verzweiflung, mit soooo vielen Emotionen.
Ziel muss und sollte immer sein: Ich bereite den Hund vor auf ein Leben, dass er in der passenden Familie leben soll und knüpfe das Band cm für cm für den Hund um sich im neuen Leben zurechtzufinden. Das Grundraster muss vorhanden sein, auf das der Hund zurückgreifen kann wenn er in die neue Familie zieht.

Abgabehunde:


Abgabehunde sind Hunde, die in der Regel aus einem Zuhause kommen in welchem sie das Zusammenleben mit Menschen und den dort alltäglichen Abläufen kennengelernt haben.
Im besten Fall haben sie eine abwechslungsreiche Prägephase erlebt und eine gute Sozialisation.
Aber Abgabehunde können auch Hunde sein, die zwar bei Menschen gelebt haben und dennoch stark ausgeprägte Ängste, Unsicherheiten oder Aggressionen zeigen.
Abgabehunde sind nicht immer Hunde die als Welpen aufgenommen wurden.
Es können auch ehemalige Strassenhunde oder Vermehrerhunde sein, in manchen Fällen wurden sie von Welpenalter an herumgereicht und erlebten ständig Veränderungen.
Kurzum – Abgabehunde können große Überraschungspakete sein und einzig die Möglichkeit die Hunde im Vorfeld kennenzulernen und ein aussagekräftiges Profil zu erstellen – ist hier eine gute Chance die richtige Pflegefamilie zu finden.

Besitzer die ihren Hund abgeben müssen sind häufig in einer starken emotionalen Situation und ihre Aussagen bezüglich des Hundes oftmals sehr subjektiv.
Insofern ist es ratsam anhand eines Einschätzungsbogen das Profil zu erstellen und auch selber einige *Tests* vor Ort mit dem Hund durchzuführen. Beispielsweise das kurze Verlassen der Wohnung kann zeigen wie der Hund mit dem Alleinbleiben klar kommt, oder auch ein kurzer Spaziergang mit unterschiedlichen Reizeinflüssen (Fahrradfahrer, spielende Kinder, andere Hunde) kann aufschlussreich sein.
Desto mehr man über den Hund erfährt oder auch ihn in verschiedenen Situationen erlebt, umso genauer kann sich die zukünftige Pflegefamilie auf diesen Hund vorbereiten.

Grundsätzlich gilt – auch wenn man schon einige Informationen über den neuen Gast hat, der Hund kennt einen nicht, er versteht die Situation nicht und trotz der vorhandenen Informationen kann er plötzlich ganz anders reagieren.
Deswegen ist es wichtig den Pflegehund bei Spaziergängen doppelt zu sichern, ihn anfangs so wenig Reizen wie nötig auszusetzen und ihn genau zu beobachten.
Auch ein taff erscheinender Hund kann plötzlich panisch auf Geräusche reagieren, unsicher bei spielenden Kindern oder aggressiv bei bestimmten Berührungen.
Als Pflegefamilie sollte man immer bedenken, das ein Abgabehund sicher mehr kennt als ein ehemaliger Vermehrerhund, aber ebenso wie positive – können das auch negative Erfahrungen sein.

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