Alma *Französische Bulldogge* geb. 2014

Hier können Sie die Geschichten von den Hunden lesen, die aufgrund von Krankheit oder Alter nicht mehr vermittelt werden.
Antworten
Benutzeravatar
LeaTeam
Team Ausrangiert&Abgeschoben
Beiträge: 3837
Registriert: So 23. Apr 2017, 16:02

Alma *Französische Bulldogge* geb. 2014

Beitrag von LeaTeam » Di 16. Apr 2019, 19:28

Bild

Bulldoggen erfreuen sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. In einigen Listen steht die Französische Bulldogge sogar auf Platz 1 der beliebtesten Hunderassen in Deutschland. Das süße Knautschgesicht, die schönen Kulleraugen und ihre charmante Art, lassen bei vielen Menschen das Herz höher schlagen.

Nun ist es kein Geheimnis das gerade diese Rasse Zuchtbedingt durch Ihre Anatomie Atemprobleme haben. Trotzdem wird viel zu wenig darüber aufgeklärt. Durch die immer höher werdende Beliebtheit, werden immer mehr Billigwelpen produziert, bei denen erst Recht kein Wert auch eine gute Zucht gelegt wird. Dadurch wird die Thematik der anatomisch Bedingten Atemnot, immer häufiger.

Alma ist geboren ca. 2014 Jahre, stammt aus Polen und wurde zur Zucht von Billigwelpen missbraucht. Bei Aufnahme in der Pflegestelle offenbarte sich ein sehr schlechter Gesundheitszustand der kleinen Hündin. Sie machte den Eindruck als könnte sie jeden Moment ersticken. Sicher hatte der heiße Sommer einen nicht unerheblichen Einfluss, aber grundsätzlich hat Alma die Schwierigkeiten, die alle brachycephalen Hunde haben. Dazu hat sie massive Einschränkungen im Bewegungsapparat durch verformte Knochen, verschobene und veränderte Brust- und Lendenwirbel sowie eine schiefe Hüfte. Auch erbrach Sie sich immer wieder, was typische Nebenwirkungen von Atemnot sind. Dadurch war Sie permanent Dehydriert und sehr abgemagert.

Bereits einen Tag später wurde Alma in der Tierklinik vorgestellt. Die Atemnot war so enorm, dass der Erstickungstod jeder Zeit hätte eintreffen können. Das dieser Hund überhaupt noch lebt, grenzt an ein Wunder. Auf Anraten der behandelnden Ärztin wurde eine kurzfristige OP anberaumt. Zunächst wurde das zu lange Gaumensegel und die Stimmbandtaschen operiert, in der Hoffnung das genug Patz für die zusammengedrückte Luftröhre geschaffen wird. Aufgrund von Schwellungen, war aber ein vorläufiger Luftröhrenschnitt war erforderlich, mit dem Sie jedoch sehr gut zurechtkam. Nach wenigen Tagen gingen die Schwellungen zwar zurück, aber es zeigte sich, dass Alma immer noch nicht ausreichend Luft bekam. Sie wurde erneut in Narkose gelegt und ein Teil der Schleimhautfalten am Kehlkopf wurde entfernt.

Bild

Bei Besuchen ihres Pflegefrauchens war das Klinikpersonal in hellem Aufruhr. Alma war längst der heimliche Star der Einrichtung. Sie kannte sich bestens aus, lief frei durch den Garten und war sehr neugierig und zutraulich. Sie sei so anhänglich, lieb und dankbar, wurde uns berichtet. Die Ärzte und das Personal versuchen alles um Alma zu helfen, allerdings sagte die Tierärztin, Alma sei ein besonders schwerer Fall, der in dieser extremen Ausprägung noch nicht erlebt worden sei.

Weil es Alma wieder schlechter ging und bei erneuter Untersuchung festgestellt wurde, dass der operierte Kehlkopf wieder zu gewuchert ist, konnte Alma dauerhaft nur geholfen werden indem sie einen permanenten Luftröhrenschnitt erhält. Natürlich machten wir uns permanent Sorgen, dass wir Alma mit den vielen OP`s und dem wochenlangen Aufenthalt in der Klinik überfordern und sie möglicherweise sogar quälen. Bei den Besuchen lief sie durch den Garten, wurde von den Mitarbeitern geherzt und auch die Tierärztin berichtete, dass Alma einzigartig und eine wahre Kämpferin wäre. Sobald sie den Eindruck hätte, dass Alma zu sehr leiden müsse, wäre „erlösen“ natürlich eine Option. Dies sah man aber hier noch nicht, obwohl man so einen OP-Marathon nicht beschönigen darf.

Letztendlich sollte sie Recht behalten. Alma geht es mit der Tracheotomie (permanenter Luftröhrenschnitt durch den sie atmet) sehr gut. Natürlich ist dies mit einem enormen Betreuungs- und Pflegeaufwand verbunden: permanentes aufpassen, dass keine Fremdkörper die Öffnung verstopfen, regelmäßige Spülungen und Absaugen von Schleim. Unter diesen Bedingungen ein neues Zuhause zu finden, wird schwierig -auch wenn die Klinik uns dankenswerterweise Hilfe angeboten hat. Aber, unsere tapfere Kämpferin Alma, die es nun wirklich verdient hat, nach dieser Tortur ein schönes Leben führen zu dürfen, hat selbst ein glückliches Händchen. Eine Tierarzthelferin aus der Klinik hat sich in Alma verliebt und dort findet sie nun ein tolles neues Zuhause vor, in dem sie fachkundig und ständig umsorgt wird und sich den Rest ihres Lebens wohlfühlen darf.

Bild
Bild
Bild
Bild
Bild

Hintergrund zu kurzschädeligen Hunden, wie der französischen Bulldogge:
Die Französische Bulldogge wie auch Mops, Englische Bulldogge, Boston Terrier, Pekinese, Cavalier King Charles Spaniel gehören zu den "brachycephalen" Hunden. Das Wort "brachycephal" leitet sich aus dem griechischen ab und zwar aus den Wörtern für kurz = brachy und cephalus = Schädel. Mit dem Begriff wird eine spezielle Kopfform von Hunden beschrieben, die einen kurzen Schädel mit kurzem Oberkiefer und einer kurzen Nase haben. Der Mensch hat leider die heutigen Probleme der kurzköpfigen Rassen zu verantworten, indem er sich bei der Zuchtauswahl an einem Schönheitsideal orientiert, das man als „Kindchenschema“ bezeichnet – rundes Gesicht, große Augen, kleine Stupsnase. Wenn man sich Mopsabbildungen von Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts anschaut, hatten die Tiere eine richtige, funktionelle Nase. Der Mops galt damals als ausgesprochen athletisch und belastbar. Daher stammt auch der Ausdruck „mopsfidel“. In den letzten Jahrzehnten wurde dann der Weg der „nasenlosen“ Züchtung beschritten, der den kurzköpfigen Rassen ihre gesundheitlichen Probleme brachte. Bei den kurzköpfigen Hunden finden sich häufig verengte Nasenlöcher und Nasenhöhlen, ein überlanger weicher Gaumen (Gaumensegel), der oft bis in den Kehlkopf hineinragt. Daneben sind sowohl der Kehlkopfknorpel und die Luftröhre oft sehr eng und die Rachenschleimhaut geschwollen. Die engen Atemwege erschweren dauerhaft das Ein- und Ausatmen. Da der Hund aber ein sogenannter „obligater Nasenatmer“ (= das Atmen über die Nase ist unerlässlich) ist, müssen zwangsläufig Probleme und Beschwerden auftreten.

Die Symptome bei betroffenen Hunden: geräuschvolles Atmen, schnarchen, husten, würgen und haben oft einen unterbrochenen und unruhigen Schlaf. Die Hunde sind weniger leistungsfähig und zeigen wiederkehrende Atemnot. Kurzköpfige Hunde neigen vor allem bei (bereits nur) warmen Temperaturen zu Überhitzung. Dann versuchen sie, wie jeder Hund, durch verstärktes Hecheln die Körpertemperatur zu regulieren. Die Atemwege sind hierdurch extremem Stress ausgesetzt und schwellen an. Das führt zu einem Teufelskreis aus Überhitzung und Atemnot: die Luftnot verstärkt die Aufregung, die Hunde hecheln intensiver… Durch Sauerstoffmangel werden Lefzen und Schleimhäute blau. Ein Hitzschlag ist nicht selten.

Zusätzlich haben viele dieser Hunde zum Teil massive Verdauungsprobleme. Das Schlucken der aufgenommenen Nahrung kann wegen der Anatomie und der Atemprobleme nicht einwandfrei koordiniert werden. Es kommt zu Entzündungen von Speiseröhre und Magen. Erbrechen von Futter und Würgen sind Folgen diese Entzündung.

Eine Umfrage unter Besitzern von Hunden mit extremer Brachyzephalie ergab ein schockierendes Bild:
− 56 % der befragten Hundebesitzer geben an, dass ihr Tier Atemprobleme beim Schlafen hat
− 24 % der Tiere versuchen im Sitzen zu schlafen, da sie im Liegen keine Luft bekommen
− 11 % haben Erstickungsanfälle im Schlaf
− 77 % haben Probleme beim Fressen
− 46 % erbrechen oder regurgitieren mehr als einmal am Tag
− 36 % der Tiere sind schon einmal aufgrund von Atemnot umgefallen, über die Hälfte von ihnen hat dabei das Bewusstsein verloren.
[Quelle: „Wenn Menschen Tiere verformen“ von Gerhard U. Oechtering (Deutsches Tierärzteblatt 1/2013)]
Fazit:
Hilfe – dauerhafte Hilfe, bietet nur eine Operation der beeinträchtigen Bereiche von Luftröhre, Gaumen oder Kehlkopf. Die Geschichte von Alma ist definitiv extrem. Wir möchten Hundehaltern keineswegs vor solchen Operationen abschrecken. Es wird mittlerweile pro Jahr in tausende Bullis erfolgreich operiert.

Bild
Bild
Bild
Benutzeravatar
LeaTeam
Team Ausrangiert&Abgeschoben
Beiträge: 3837
Registriert: So 23. Apr 2017, 16:02

Re: Alma *Französische Bulldogge* geb. 2014

Beitrag von LeaTeam » Mo 23. Sep 2019, 22:06

Alma hat mittlerweile so gut gelernt mit dem Luftröhrenschnitt zu leben. Sie weiß ganz genau wie sie sich zum schlafen hinlegen muss, damit sie nicht auf dem Loch liegt und gut Luft bekommt.

Es ist immer wieder faszinierend wie Hunde lernen damit klar zu kommen.

Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
Antworten